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Mikrotext

Mit einem Essay von Alexander Kluge (»Die Entsprechung der Oase«) und einer Textauswahl des syrischen Bloggers und Autoren Aboud Saeed (»Der klügste Mensch im Facebook«) fing im Frühjahr 2013 alles an. Nikola Richter verschaffte sich damit ein gutes Standing in der inzwischen gut gediehenen E-Book-Verlagswelt. Derzeit erscheinen alle drei Monate zwei E-Book-Singles zu Themen, die Zeitgenössisches aufgreifen. Die aktuellen literarischen Texte sind inspiriert von Diskussionen in den sozialen Medien und dem Blick auf internationale Debatten. Alle Texte erscheinen zunächst auf Deutsch, ausgewählte Titel werden auch auf Englisch angeboten.

Die Verlegerin Nikola Richter suchte anfänglich nach Texten, die sie selbst gerne unterwegs auf einem E-Book-Reader lesen wollte, fand diese aber nicht. Mit der Gründung des Verlags schuf sie für bestimmte Formate eine Veröffentlichungsmöglichkeit. Im Netz geschriebene Texte, die aufgrund ihrer Aktualität oder wegen ihrer Kürze ansonsten in den digitalen Schubladen verschwinden würden, finden so ihren Weg zu den LeserInnen. Hinzu kommt, dass die direkte Zusammenarbeit mit den AutorInnen sich auf das Wesentliche konzentriert und die soeben aus der Taufe gehobenen Texte nichts an in ihrer Frische, aktuellen Präsenz und Rohheit einbüßen müssen.

Für Ungeübte gibt es auf der Seite des Verlags eine Anleitung zum E-Book-Lesen.

 

»Wie man mit einem Mann glücklich wird« von Ruth Herzberg

Ruth Herzberg: „Wie man mit einem Mann glücklich wird“ mikrotext Verlag, ca. 180 Seiten, 2,99 Euro
Ruth Herzberg: „Wie man mit einem Mann glücklich wird“ mikrotext Verlag, ca. 180 Seiten, 2,99 Euro

»Sie war aus Massivholz. Ich hatte den Verkäufer um ein paar Euro herunterhandeln können. Sie stand Nähe Südstern. Aber ich konnte die Kommode natürlich trotzdem nicht mit der U-Bahn holen. Ich brauchte ein Auto mit Chauffeur.
Also wandte ich mich an meinen Mann. Ich hatte sonst nie­manden, den ich fragen konnte.«

Alles ist weich und behaglich im Erstlingswerk von Ruth Herzberg, wenn nicht die Realität dazwischenfunkt. Die Frau sehnt sich nach Geborgenheit, Wärme und dem gut ausgeleuchteten Platz neben dem Auserwählten. Dabei möchte sie gefällig sein und gefallen. Das Optische schick und dekorativ. Doch all das nützt nichts, wenn die Beziehungen nicht stimmen, das Detail nicht stimmt, wie der Klecks Marmelade auf dem Revers des Jackets des Ex-Mannes und die verschwundene Kleidung der gemeinsamen Tochter in der chaotischen Wohnung des Ex-Mannes. In einer verknappten Sprache, die Ungewissheiten und Irritationen im Alltag ausleuchtet, begeben sich ihre Heldinnen auf die Suche nach Liebe in der Großstadt. All das geschieht unpathetisch, liebevoll und mit Hingabe an die Menschen, denen sie nahe stehen und denen sie nicht mehr nahe stehen.

Ruth Herzberg

 

Jan Fischer: „Ihr Pixelherz“ mikrotext Verlag, 150 Seiten, 1,99 Euro
Jan Fischer: „Ihr Pixelherz“ mikrotext Verlag, 150 Seiten, 1,99 Euro

»Ihr Pixelherz« von Jan Fischer

»Ich sah sie zum ersten Mal zwischen Grafikfehlern an einem Nacktbadestrand. Die Palmen neigten sich in kalkulierten Winkeln Richtung Wasser und schwankten in Zufallssequenzen, als gäbe es Wind, die Sonne ging nie unter, sie hing starr immer an derselben Stelle im Hintergrund.«

Ein paar Stunden eintauchen in ein Computerspiel ist letztlich auch nichts anderes als einen Film zu schauen oder ein paar Folgen der Lieblingsserie zu sehen. Was aber, wenn die Welten miteinander verschmelzen würden? Die grafischen Traumwelten mit der realen Welt? In Jan Fischers Kurzgeschichte gleitet das Leben dahin. Alles fließt, fliegt und ist im Strom, bis der Protagonist glaubt, etwas mit den Augen zu haben. Auf seinem alltäglichen Arbeitsweg betrachtet er die Menschen um sich herum mittels Spiegelungen in Rückspiegeln, Fensterscheiben und seiner Einbildung. Er mag es nicht, wenn sich ihm fremde Menschen nähern. Anna, seine Freundin, ist eine stille Begleiterin, der Animation nicht unähnlich, welche ihn durch seine nächtlichen Ausflüge in die Grafikwelten begleitet. Eingehüllt in eine Decke, die den Geruch seiner Freundin trägt, gleitet er durch den digitalen Alltag, lässt sich fallen und versucht über den zu erahnenden Verlust von Anna hinwegzukommen.

Jan Fischer

mikrotext

Frankfurter Buchmesse

16. Oktober 2015, 18 Uhr: Spector Books, EDIT und mikrotext feiern RELEASE mit Aboud Saeed, Assaf Alassaf und Heike Geißler, Club Michel, 19 Uhr, Frankfurt am Main

It says it all!
RELEASE & VOLTE Party.
Come over and listen to the new literatures from Germany and Syria.
6 pm.
Im Club Michel, Münchener Str. 12, Frankfurt am Main….

16. Oktober 2015, 12 Uhr: Assaf Alassaf am Stand der Böll-Stiftung, Lesung und Pressegespräch, Frankfurter Buchmesse

Assaf Alassaf auf der Frankfurter Buchmesse:
Am Freitag, den 16.10. , ab 12.00 Uhr liest Assaf Alassaf am Stand der Heinrich-Böll-Stiftung (Halle 3.1 G35 , mit Übersetzung durch Sandra Hetzl) und steht ebenfalls…

16. Oktober 2015, 10 Uhr: Round Table zu Flüchtlingsthemen und E-Books, Orbanism Space, Frankfurter Buchmesse

#orbanismspace | Halle 4.1 B73 | Frankfurter Buchmesse
Digitales Verlegen – egal ob als E-Book, Blog, Podcast oder Video – ist ein ästhetisches und politisches Ausdrucksmittel, das neue Räume eröffnet, auch da, wo…

14. Oktober 2015, 14 Uhr: Electric Book Fair Instant mit Nikola Richter und Andrea Nienhaus, Frankfurter Buchmesse

Die Electric Book Fair, die erste E-Book-Messe Deutschlands, geht 2016 ins dritte Jahr. Welche Fragen beschäftigt die digitale Publishing-Szene? Was ist wichtig für Autoren, Leser, Hersteller, Marketing, Vertrieb, Verlage? Ein Gespräch mit dem…

 

Heike Hellebrand

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