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Tag zwei auf der Leipziger Buchmesse

Inzwischen Herrin der Lage und Hallen, gehe ich den zweiten Tag etwas ruhiger an. Selbst die fünf übervollen Straßenbahnen der Linie 16, welche an mir vorbeirauschen, bringen mich nicht aus der Ruhe. Spontan frage ich drei offensichtliche Messegänger, die auf ein Taxi warten, ob sie mich mitnehmen, was sie freundlicherweise tun.

Book Pitch
Book Pitch

Ich starte in den zweiten Messetag mit dem ersten internationalen Book Pitch und lausche gebannt drei osteuropäischen Autoren, die innerhalb von fünf Minuten eine kleine Riege von deutschen Lektoren von ihren Büchern überzeugen müssen. Die ersten zwei Kandidat*innen sprechen in gut verständlichem Englisch von ihren bisherigen Projekten, über sich und dem aktuellen Buch, welches sie auf den deutschen Markt bringen wollen. Der dritte Autor hat der Anschaulichkeit halber eine Präsentation mitgebracht. Dieses Format ist definitiv nur etwas für überzeugende Redner*innen und an den vorgestellten Büchern ließ sich festmachen, dass Genreliteratur innerhalb eines Book Pitches aller Wahrscheinlichkeit nach am besten funktioniert. Nach dem Pitch bin ich in die Messebuchhandlung gegangen und habe ein Buch gekauft. Leider kann ich nicht verraten welches, denn es soll ein Geschenk werden.

In meiner Lieblingshalle, der Halle fünf, gab es heute mehrere Veranstaltungen, die sich dem Nachwuchs widmeten. Vorgestellt wurden verschiedene Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten und man konnte sich direkt mit Buchhändler*innen und Student*innen der Buchwissenschaft austauschen. Dem im Vorbeigehen lauschend, blätterte ich mich danach durch »Leipzig liest«, um meine Abendgestaltung zu planen und suchte auf dem Stadtplan die Hähnelstraße, weil ich mich für »Die Lesung der unabhängigen Verlage« in der Schaubühne Lindenfels entschieden hatte. Im Abschnitt H4 meines Stadtplans gab es zwar eine Hahnemannstraße, aber keine Hähnelstraße. Also stieg ich auf mein Smartphone um und suchte mithilfe von Google Maps die Hähnelstraße und siehe da, die lag gar nicht so weit entfernt von der Hahnemannstraße.² Unterdessen erläuterte Katja Kipping auf der Lesebühne der Leipziger Volkszeitung, dass die große Welle von hetzerischem Antifeminismus der letzten zwei Jahre junge Frauen dazu gebracht habe, Feministinnen zu werden.

Mein Vorhaben, der Konrad-Wolf-Preisverleihung beizuwohnen, wurde von meinem schmerzendem Rücken untergraben, so dass ich mir in näherer Umgebung einen Sitzplatz suchte und auf eine Trennwand schaute, die erklärte, was die unabhängigen Verlage gut finden. Und zwar: Indiebook, Indiebookday, Hotlist und den Deutschen Buchhandlungspreis.

Die Unabhängigen
Die Unabhängigen

Zu diesem Zeitpunkt habe ich den Launch von »tell« verpasst. Es ist der einzige Fehler an diesem Tag, den ich begangen habe, aber vermutlich auch der blödeste. Später höre ich Wolfgang Tischers und Tilman Rammstedts Gespräch über dessen jüngstes Projekt »Morgen mehr« zu. Es handelt sich dabei um den ersten Roman, den man abonnieren kann, welcher darüber hinaus live während des Abonnements geschrieben und lektoriert wird.

Etwas müde und ruhebedürftig ging ich dann zu den »Prosa Prognosen«, bei denen Stipendiat*innen des Literarischen Colloquium Berlins ihre Werke aus der Autorenwerkstatt Prosa 2015 präsentierten. Inka Parei führte durch die Lesung. Im Zuge der Debatte um institutionalisiertes Schreiben sollte man noch hinzufügen, dass die Schreibwerkstatt im Literarischen Colloquium Berlin bereits seit den 60er Jahren existiert und damit eine der ältesten Schreibschulen Deutschlands darstellt.

Prinzessin in hellblauem Kleid
Prinzessin in hellblauem Kleid

Zum Abschluss lief ich über die Manga-Comic-Convention und fand zwischen Verkaufsständen von Plüschtieren eine Prinzessin in einem hellblauen Kleid.

 

 

 

 

Heike Hellebrand

²Die Autorin blieb dann daheim und schrieb diesen Beitrag.

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